"Ich glaube; hilf meinem Unglauben!" (Markus 9,24) – Gedanken zur Jahreslosung 2020 und zum Neuen Jahr von Superintendent Hans-Georg Furian
von Superintendent Hans-Georg Furian

Gedanken zur Jahreslosung 2020 und zum Neuen Jahr von Superintendent Hans-Georg Furian:
Liebe Leserinnen und Leser,
an der Schwelle zum Neuen Jahr blicken wir zurück – und – hauptsächlich voraus. Nur eines möchte ich im Blick auf das Neue Jahr herausgreifen. Im Neuen Jahr werden wir an 30 Jahre deutsche Einheit denken. Das ist ein facettenreiches Stichwort. Ich hoffe, dass die Vielschichtigkeit im Gedenken deutlich wird.
Das ist aber nun nur ein formaler Punkt. Inhaltlich möchte ich mich orientieren lassen durch das Bibelwort, das uns als Jahreslosung gegeben ist: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben.“ (Markusevangelium Kapitel 9 Vers 24)
Ein Blick in den Zusammenhang zeigt: Ein Mensch erkennt: Ich kann nichts mehr machen. Meine Möglichkeiten sind am Ende. Was ist zu tun? Entweder resigniert man in solchen Situationen oder man überschätzt sich. Wie dem auch sei: helfen tut das beides nicht. Darum ist es ganz vernünftig mit dem zu rechnen, was wir nicht können: mit dem Wunder. Genau das passiert in dieser Geschichte. Darum ruft dieser Mensch aus: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben.“
Lag 1989 nicht auch die Sehnsucht nach einem Wunder in der Luft – wenigstens im Nachhinein kann man das sagen. Wunder macht man nicht. Aber wir Menschen können den Zipfel der Geschichte ergreifen, den uns das Wunder hinhält, ihn erfassen und die Sache auf ein neues Gleis setzten. Das haben wir damals getan. Es wird Zeit, darauf stolz zu sein. Es war jedenfalls auch der Mut des Glaubens. Er hat es uns Christen damals möglich gemacht, den Zipfel der Geschichte zu ergreifen, den uns das Wunder bot, ihn zu erfassen, und die Sache auf ein neues Gleis zu setzen. Ob man damit gleich den Friedensnobelpreis verdient hat? Wie dem auch sei. Eines aber sollten wir tun. Wir sollten uns als Experten des Wandels verstehen, nicht als Opfer der Wende!
Ich hoffe sehr, dass dies der inhaltliche Hauptpunkt wird, der das Gedenken zu 30 Jahre deutscher Einheit prägt. Das hätte, abgesehen davon, dass es der historischen Wahrheit entspricht, auch den Vorzug, dass die Wandlungsprozesse, vor denen wir stehen, nicht als dramatische Abbrüche, sondern als Chancen verstanden werden; und Wandlungsprozesse wird es immer geben, auch im neuen Jahr. Für diese Prozesse der Veränderung, die sich im privaten Bereich wie im Weltgeschehen vollziehen, für diese Entwicklungen wünsche ich Ihnen Kraft: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben.“
Bleiben Sie behütet!
Ihr
Hans-Georg Furian